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Geborgenheitsraum ©

Oder: was das Kohärenzgefühl im Innersten zusammenhält?

 

Sich geborgen fühlen und geborgen sein ist das wichtigste Grundbedürfnis des Menschen.

Als erstes denkt man dabei an ein Baby im Mutterleib, das geschützt und mit allem Lebensnotwendigen versorgt ist und versorgt wird.

Die Mutter bietet dabei den Raum der Geborgenheit. Er ist zugleich Schutzraum vor Störungen und vor den Unbilden des äußeren noch nicht sichtbaren Lebens.

So kann man also sagen, dass der erste erlebte Geborgenheitsraum eines Menschen das Leben im Mutterleib ist.

Zwillinge, Drillinge, Vierlinge etc. teilen sich diesen Geborgenheitsraum. Doch die meisten Menschen haben ihn für sich allein.

Das Wort Geborgenheit an sich bietet vielfältige Möglichkeiten des Überlegens zu seinem Inhalt. So ist das Wort „borgen“ ein wesentlicher Bestandteil der Aussage.

Als Beispiel können wir das Baby im Mutterbauch nehmen, dem dieser für eine gewisse Zeitspanne quasi geborgt, ausgeliehen wird,

um zu gedeihen und zu wachsen mit dem Ziel daraus zu entschlüpfen, und in eine andere noch unbekannte Welt geboren zu werden.

Ein Mensch wird aus dem geborgten Raum in einen anderen Raum geboren.

Dabei fällt auf, dass das Wort geboren einfach nur den Buchstaben „g“ weniger hat als das Wort geborgen.

Aus sprachlicher Sicht zeigt sich noch etwas anderes Bemerkenswertes.

Das Präfix „ge“ wurde in ursprünglicher Bedeutung immer dann verwendet, wenn etwas zusammen gehört,

wenn etwas oder jemand mit etwas anderem zusammen kommt oder zusammen zu tun hat.

Viele schöne Beispiele gibt es dafür: Gebirge, Genossen, Gestänge, Gespielin, Gevatter, Geselle, Gesellschaft, Gemeinschaft, Geburt, Gebet, Geborgenheit etc.

Daraus wird aus einer völlig anderen Sicht ebenfalls deutlich, dass Geborgenheit mit anderen Menschen oder mit etwas anderem zu tun hat.

Selbst wenn der Mensch allein ist, befindet er sich an einem Ort oder in einem Raum.

Der Mensch steht  in Beziehung zu diesem Raum und kann sich darin wohlfühlen oder auch nicht. Je nachdem wie dieser Ort um ihn herum auf ihn wirkt.

Ein Geborgenheitsraum kann deshalb als ein tatsächlicher Ort angesehen werden,

oder als ein innerer Raum, den sich ein Mensch erobert, erarbeitet oder auch geschenkt bekommen hat.

Der innere Geborgenheitsraum steht deshalb eng in Beziehung zu anderen Menschen.

Wie diese Beziehungen aussehen, gestaltet werden und gelebt werden liegt an jedem Einzelnen selbst. Beziehungen können aktiv oder passiv gestaltet und gelebt werden.

Immer jedoch trägt der einzelne Mensch dazu bei. Das Baby schreit, lächelt, weint etc. und tritt damit aktiv in die Beziehung ein.

Egal, was ein Mensch tut oder nicht tut; er ist nicht in der Lage, nicht in Beziehung, nicht in Kommunikation zu sein, da sein Dasein an sich wirkt.

Menschen bilden sehr früh in ihrem Leben einen Geborgenheitsraum aus. Dieser Geborgenheitsraum kann sich in verschiedenen Größen ausbilden.

So wie eben Menschen auch unterschiedlich groß werden.

Die tatsächliche Größe des Menschen hat jedoch nichts mit der Größe des Geborgenheitsraumes des Menschen zu tun.

Zur Ausbildung der Größe des Geborgenheitsraumes tragen multiple Faktoren bei:

• Vertrauen an sich, zu sich selbst und Vertrauen zu anderen Menschen

• die Erfahrung des Wohlgefühls; die Erfahrung berücksichtigt zu werden

• die Erfahrung, dass Grundbedürfnisse gestillt werden

• die Erfahrung des liebevollen und achtsamen Umgangs

• die Erfahrung von Lachen und Humor

• die Erfahrung, dass Lösungen für Hindernisse oder Herausforderungen gesucht, gefunden und angewendet werden

• die Erfahrung der Freude

• die Erfahrung der Stille

• die Erfahrung von Leid und Erlösung

• die Erfahrung, dass Beziehungen tragend und beständig sind

• die Erfahrung der Bindung und der Freiheit

• die Erfahrung von Transzendenz also einer Kraft, die nicht in sich selbst begründet ist.


Das Begreifen, Empfinden und Annehmen all dieser Erfahrungen lässt den Geborgenheitsraum entstehen.

Wenn der Mensch wenig Geborgenheit erfahren konnte bildet er einen kleinen Geborgenheitsraum aus.

Intuitiv sucht der Mensch dann nach mehr Geborgenheit und erkennt automatisch jene Menschen, die einen größeren Geborgenheitsraum ausgebildet haben.

Der innere Prozess, der dann startet heißt: „Aha, die Welt besteht aus vielen Möglichkeiten, die ich bisher weder für mich gesehen noch genutzt habe.“

Menschen brauchen den Geborgenheitsraum, um sich und ihre Umwelt wahrzunehmen, zu spüren und schöpferisch zu sein.

Dieser Geborgenheitsraum zentralisiert, energetisiert und ordnet die drei wesentlichen Komponenten eines gesunden, frohen und guten Lebens,

das Kohärenzgefühl genannt wird:

• Verstehbarkeit des Lebens

• Handhabbarkeit des Lebens

• Sinn des Lebens


Verstehbarkeit

Um sein Leben zu verstehen braucht der Mensch seine Gedanken, die ihm dabei helfen Fragen zu formulieren, um die Erfahrungen besser zu verstehen.

Adäquate Fragen führen zu richtigen Antworten. Die Verstehbarkeit des Lebens gehört unbedingt zur Natur des modernen Menschen.

Die Gedanken helfen dem Menschen die inneren oder äußeren Erfahrungen zu strukturieren, zu ordnen

und für die zukünftigen Erfahrungen gedankliche Ressourcen der Vorbereitung bereit zu stellen.

Handhabbarkeit

Ein weiteres wichtiges Merkmal für ein gelingendes Leben kann aus der Handhabbarkeit auf die vielen inneren und äußeren Reize des Lebens zu reagieren, abgeleitet werden.

Wie geht der Mensch nun konkret mit den Stimuli des Lebens um?

Stehen ihm genügend eigene Ressourcen zu Verfügung?

Hat er äußere Ressourcen?

Lässt er sich von den Reizen überfluten?

Ist er als ganzer Mensch reaktionsfähig?

Ist die Handlungsfähigkeit als Mensch in seiner Gesamtheit gegeben?

Sinn

Menschen, die all den Herausforderungen des Lebens einen inneren und äußeren Sinn abgewinnen können verfügen deutlich über mehr Kräfte und Energie,

weil sich die Anstrengungen und das Engagement lohnen.

Was für jeden im Einzelnen lohnenswert ist unterliegt dem persönlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Weltbild.


Zusammenfassend:

Der Geborgenheitsraum bietet dem Menschen Schutz und intensives intrinsisches Vertrauen für seine innere und äußere Existenz.

Der Mensch hat deshalb das unbedingte Bedürfnis, sich diesen Geborgenheitsraum zu erhalten, zu vergrößern und sich in ihm aufzuhalten.